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Derek Jarman – The Garden

18. Juni–12. Juli 2020
im silent green

 


In Mitten von geteerten Fischerhütten an einem Kiesstrand an der Südküste Englands, in direkter Nachbarschaft zu einem Atomkraftwerk und einer Militärbasis, steht Prospect Cottage: Der letzte Wohnort des britischen Künstlers, Aktivisten und Filmemachers Derek Jarman (*1942), der 1994 an den Folgen einer HIV-Infektion starb. Hier legte er seinen lang ersehnten Garten an: „I waited a lifetime to build my garden. I built my garden with the colours of healing on the sepia shingle at Dungeness. […] Here was a garden to soothe the mind.“ (in: Chroma: Book of Colour - June ’93).
 

 


Der Garten war für Jarman Sehnsuchtsort und Therapie. Hier fand er Zuflucht vor einer für den queeren Filmemacher zunehmend destruktiven und diskriminierenden Gesellschaft. Ein utopischer Ort des kollaborativen Zusammenlebens von Menschen und Natur. In seinem Film THE GARDEN (1990) verhandelt er jedoch auch die Gegensätze und Widersprüche des Gartens, als einen Grenzbereich zwischen Realität und Fantasie, Heilung und Zerstörung, Hoffnung und Trauer. Prospect Cottage, das seit Jarmans Tod von seinem Lebensgefährten Keith Collins in Stand gehalten wird, ist bis heute eine Pilgerstätte für viele queere Communities und Experimentalfilmszenen weltweit, die jede Woche von Tausenden von Menschen besucht wird.


 


Das Ausstellungsprojekt „The Garden“ wird erstmalig Fragmente dieses Ortes nach Berlin in das silent green transferieren und für ein deutsches und internationales Publikum erfahrbar machen. Von hier aus soll unsere zunehmend prekäre Gegenwart und der desaströse Zustand unserer Erde, von Land und Erdboden, addressiert werden. Der Erdboden - ausgelaugt, erschöpft, vergiftet und zerrissen - wird sich im Rahmen der Ausstellung als umstrittenes Archiv zu erkennen geben, das dem sich wandelnden Klima unserer Zeit ausgesetzt und von historischen Erbschaften durchdrungen ist.

 


 

Zu diesem Zweck wird „The Garden“ eine immersive Ausstellungs-Szenografie entwerfen, die biografische und topografische Details aus Jarmans Werk und Prospect Cottage in Form von ­Objekten, Tagebüchern, Skizzen und Gemälden aufarbeitet.

Ausgewählte Künstler*innen werden in Dialog mit dieser Szenografie treten und Jarmans Projekt aktualisieren. Ihre Arbeiten werden sich zu den akuten sozialen, politischen und ökologischen Phänomenen unserer Zeit wie Klimawandel, Umweltverschmutzung, Kapitalismus, Krankheit und Radioaktivität positionieren. Ziel ist, neue Formen der Bildproduktion mit und für die Erde zu entwickeln. Die Einübung dieser neuen Kinematografien bedeutet auch, von der Erde zu lernen – von ihren Zyklen der Schöpfung und des Zerfalls, von ihrer Widerständigkeit und Fähigkeit zur Heilung, von der Koexistenz diverser Formen des Lebendigen und Nicht-Lebendigen.


Ein Projekt der silent green Film Feld Forschung gGmbH.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

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