ALFILM Festival: Short Heritage Films + Panel
ALFILM Arabisches Filmfestival Berlin
ALFILM Arabisches Filmfestival Berlin wird seit 2009 vom gemeinnützigen Verein Zentrum für arabische Filmkunst und Kultur e.V. (vormals Freunde der arabischen Kinemathek, Berlin e.V.) organisiert und ist deutschlandweit das wichtigste Filmfestival, das der vielfältigen Filmszene der arabischen Welt eine Plattform bietet.
Das ALFILM Festival kehrt in diesem Jahr für zwei Tage zu uns ins silent green zurück – am zweiten Tag freuen wir uns auf das folgende Programm.
Short Heritage Films
18:30 Uhr
Das Programm versammelt eine Auswahl seltener sudanesischer Kurzfilme aus den 1970er- und 1980er-Jahren, die bis heute die Kraft besitzen, Gegenwart herauszufordern und eine ästhetische Sprache zu entfalten, die nach wie vor zeitgenössisch ist.
Es wird ein Raum der Offenlegung geschaffen: die Filme zeigen, was am Rand fortbestand, was im Detail verborgen lag und was das sudanesische Kino als Spuren bewahrt hat, die sich der Auslöschung widersetzen. Von Suakin in The Dislocation of Amber über Exil und innere Zersplitterung in Tigers Are Better Looking; von der harten Zirkularität von Arbeit, Entfremdung und den Lasten des Alltags in A Camel über die Ökonomien von Transit und Warten in The Station; bis hin zu Bildern des Lebens an Orten, die einst Befreiung erträumten und dennoch in der langsamen Arbeit historischen Wandels fortbestehen in It Still Rotates – entsteht eine sinnliche und politische Landkarte von Bildern, die die Welt von ihren Rändern aus betrachten und ihre weniger sichtbaren Brüche erfassen.
Die Filme sind durch einen grob politischen und engagierten Rahmen sowie ein ausgeprägtes Klassengefühl verbunden. Gleichzeitig zeigen sie eine gemeinsame Suche nach einer Filmsprache, die Verdichtung als Dichte, Fragment als Struktur und Alltag als Ort tiefer historischer Prägung versteht. Sie widersetzen sich großen Narrativen, indem sie Stein, Körper, Bewegung, Arbeit, Übergang, Stille und Rhythmus in den Blick nehmen. So wird die Kurzform zu einem Terrain für ästhetische Reflexion und die Produktion von Gegenwissen, in dem persönliche Erfahrung auf soziale Strukturen, das Lokale auf das Regionale und das Poetische auf das Dokumentarische trifft.
Das Programm schlägt eine Lektüre dessen vor, was in Archiven und Sammlungen ruht, und nähert sich dem Veralteten als zeitgenössischer Praxis: eine Rückkehr zu grundlegenden filmischen Momenten, fern von Nostalgie, Verehrung oder Ikonisierung, um sie in aktuellen Fragestellungen neu zu aktivieren. In ihrer formalen Kühnheit und ästhetischen Singularität kehren diese Filme aus der Vergangenheit zurück – nicht als Relikte, sondern als Werke, die im Hier und Jetzt weiterleben, ein alternatives visuelles Gedächtnis formen und zugleich offenlassen, was das Kino bewahren, neu gestalten und ins Leben rufen kann.
Panel
20:30 Uhr
Im Anschluss an die Vorführung öffnet das Programm den Raum für ein Gespräch über die Bedingungen, unter denen die sudanesische Filmgeschichte heute bewahrt, weitergegeben und wiederentdeckt wird.
Mit Fokus auf archivische Austauschpraktiken zwischen internationalen Institutionen und sudanesischen gemeindebasierten Initiativen und Verbänden werden ungleiche Strukturen, praktische Aushandlungen und Formen der Verantwortung betrachtet, die den Zugang zu filmischem Material bestimmen. In einer Zeit geprägt von Zerstreuung, Verwundbarkeit und erhöhter Dringlichkeit werden Fragen nach der Arbeit mit sudanesischem Filmerbe im Gegenwärtigen und nach möglichen neuen Konzepten archivischer Verantwortung über Institutionen, Gemeinschaften und Kontexte hinweg gestellt.
Montag, 27. April
Kuppelhalle
Einlass: 17:30 Uhr / Beginn: 18:30 Uhr
Tickets