The I in the Mirror: Reflection
The I in the Mirror: Reflection
Der Avantgarde-Dichter Yi Sang schrieb über „Das Ich im Spiegel“: ein Selbst in einer anderen Welt, das sich nur schwer fassen lässt. Es ist ein Selbst, dem wir nur durch Vermittlung begegnen können, durch den Versuch, eine unüberwindbare Grenze zu überschreiten. In The I in the Mirror: Reflection kommen Künstler*innen zusammen, deren Schaffen sich zwischen zeitgenössischer Praxis und einer intensiven Auseinandersetzung mit koreanischen und europäischen Musiktraditionen bewegt. Dabei wird die Vielschichtigkeit der Vergangenheit hörbar, aus der unerwartete Anklänge über verschiedene Kontexte und Epochen hinweg hervortreten. Aus der Auseinandersetzung mit diesem reichen kulturellen Erbe entstehen neue Kompositionen, die heterogene Traditionen aus einer zeitgenössischen Perspektive betrachten. Im Dialog mit dem Anderen suchen sie nach einer gemeinsamen Sprache, in der Grenzen durchlässiger werden, ohne die Eigenständigkeit und Ausdruckskraft der jeweiligen Traditionen aufzugeben.
Im Mittelpunkt des Programms steht ein neu in Auftrag gegebenes Werk von Gitbi Kwon, das die koreanische Bambusflöte Daegeum und den Pansori-Gesang mit westlichen Instrumenten und Elektronik verbindet und dabei die sich wandelnden und transformierenden Identitäten des Klangs erforscht. Auszüge aus Isabella Leonardas Sonata Duodecima – entstanden aus der Kirchenkultur des 17. Jahrhunderts von einer der frühesten veröffentlichten Komponistinnen – stehen neben Hwacheong, einem buddhistischen Gesang der Reue und spirituellen Besinnung aus derselben Zeit. Die virtuose Tradition des Daegeum-Sanjo, die in der koreanischen Volksmusik und der schamanischen Musik verwurzelt ist, wird mit Auszügen aus Béla Bartóks Out of Doors kombiniert. Grégoire Simons Ballade pour une larme qui ne sera pas reinterpretiert Fragmente italienischer Opern im Spannungsfeld von Pansori und zeitgenössischer Harmonik, während Jared Redmonds Seonhye’s Five Dreams koreanische buddhistische Poesie, den Klang der mittelalterlichen koreanischen Sprache und historische Notationspraktiken aufgreift.
Wie eine „Mise en abyme“ – eine Reflexion innerhalb einer Reflexion – entfaltet sich das Programm als Raum gespiegelter Wahrnehmung, in dem Klang, Text und Atmosphäre sich ständig gegenseitig brechen und sich in einer fragilen Begegnung der unmöglichen Geste nähern, die Yi Sang sich vorgestellt hat: dem Ich im Spiegel zu begegnen.
Programm
Gitbi Kwon – Verbindung der Verbindungen (2026) *
Jared Redmond – Seonhye’s Five Dreams (2023/26) **
Grégoire Simon – Ballade pour une larme qui ne sera pas (2019/26) **
Hwacheong
Daegeum Sanjo
Isabella Leonarda – Sonata Duodecima, Op. 16 Nr. 12 (Auszüge)
Béla Bartók – Im Freien (Out of Doors) (Auszüge)
* Uraufführung
** Erstaufführung der revidierten Fassung
Ausführende
Yoo Hong – Daegeum
Sol-i So – Pansori-Gesang und Janggu
Grégoire Simon – Viola und Violine
Jared Redmond – Klavier
Montag, 31. August
Kuppelhalle
Einlass: 19 Uhr / Beginn: 20 Uhr
Tickets
Gefördert durch die Initiative Neue Musik (INM) Berlin.