Radical Face

Konzert

Do, 14.04.2016
Kuppelhalle
19:00 - 23:00

Irgendwo jenseits unserer Welt liegt ein Ort, an dem junge Mädchen im Schlaf über Wasser wandeln, an dem Waldhexen die Kranken heilen und an dem eine uralte Familie die Kraft besitzt, mit den Toten zu sprechen. An diesem Ort, zwischen krummen Bäumen und verlassenen Arbeitersiedlungen, findet die Musik von Radical Face ein Zuhause, ein Reich, in dem Fantastereien und Fabeln eins werden. Dieses Universum wird vom facettenreichen Musiker Ben Cooper geschaffen, der Alben gestaltet, wie ein Autor seine Folianten schreibt. Er erhebt zarte Südstaaten Gothic und magische Erzählungen des Realismus empor, durch einen Soundtrack aus perlenden Gitarren, geschichteten Streichern und synkopierten Rhythmen.

Und so erzählt der in Jacksonville, Florida geborene Künstler mit seiner Family Tree-Albumtrilogie die Geschichte einer Familie aus dem 19ten Jahrhundert, durch deren Blut magische Fähigkeiten strömen – von der Kraft, Geister sehen zu können bis zur Wiedererweckung von Toten. Ihr Geheimnis schweißt sie zusammen, eine wärmende Flamme gegen eine raue Welt. Der finale Teil, The Family Tree: The Leaves, erscheint am 24. März und setzt die Geschichte dieser übernatürlichen Brut fort. Die ausgefeilte Soundtextur des Werks wurde in ihrer Gesamtheit von Cooper geschmiedet, der fast alle Instrumente auf dem Album selber spielt. Sein Ethos, alles selbst zu machen, ist geprägt von seinen frühen Tagen mit einem Vierspur-Rekorder im Schuppen seiner Eltern und hat sich zu einem üppig orchestrierten Album entwickelt, bei dem sein Lebensfährte Josh Lee die Streichinstrumente spielt.

Die Geschichten von Radical Face spielen zwar in einer eigenen Welt, aber auch Coopers echtes Leben war durchaus turbulent. Er wuchs in einer 10-köpfigen multikulturellen Familie im Süden der USA auf und hat Rassismus aus erster Hand erlebt. Als er mit 14 Jahren vor seiner Familie sein Coming-Out hatte, wurde er zuhause rausgeschmissen. Er zog bei seinem alkoholkranken, leiblichen Vater ein und arbeitete Vollzeit während er zur Schule ging. Wegen seiner zerrütteten Familie suchte Cooper ein Zuhause in der Musik. „Es ist mein Leben, aber ich hülle es in Fiktion“, verrät Cooper. „Ich gebe zu, ich habe Musik immer als eine Art Therapie genutzt. Mit Musik kann man etwas Hässliches und Hartes nehmen und es in etwas Hübsches verwandeln. Man kann etwas zwingen ganz anders zu werden, als es sein wollte. Selbst wenn etwas traurig ist, kann man es zu etwas Schönem machen.“

Einlass: 19 Uhr
Beginn: ca. 20 Uhr

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