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Rahmenprogramm "all the lonely people"

Lesungen und Performances

Sa, 02.10.2021
Kuppelhalle
15:00 - 22:00

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Villa Aurora präsentiert VATMH (Villa Aurora & Thomas Mann House) Lesungen, Performances und Konzerte begleitend zur Ausstellung „all the lonely people“.

15:00 Uhr, Reflections on Hermitage and Sanctuaries, Lesungen und Gespräch

Was besagen in Zeiten der nationalen wie pandemiebedingten, individuellen Abschottung Begriffe wie Rückzug, Zuflucht oder Isolation? Welche kulturellen, historischen, gesellschaftlichen und politischen Implikationen bergen sie? Werden Schutz, Erholung oder Privileg durch sie zum Ausdruck gebracht? Oder doch eine Verlorenheit, ein Ausgeliefertsein, vor allem auch sich selbst, der „Kirmes in dir selber“ (Monika Rinck)? Anfang des Jahres 2021 bat VATMH zehn Literatur-Alumni der Villa Aurora um literarische Reflektionen zu den Themen Sanctuary (engl.: Heiligtum, Zufluchtsort) und Hermitage (engl.: Klause, Einsiedelei, Eremitage) – jenen Themen also, die der Villa Aurora als Exilhaus von Lion und Marta Feuchtwanger an der kalifornischen Westküste geradezu in die Grundmauern eingeschrieben sind. So vielfältig sich die Perspektiven der Beiträge auch sind, so ist ihnen doch der Wunsch nach einem Gegenüber, nach der Überwindung der Einsamkeit und des In-Kontakt-Tretens gemeinsam.

Es lesen und diskutieren die Autor:innen Tanja Dückers, Maren Kames, Monika Rinck, Yoko Tawada und Senthuran Varatharajah. (Veranstaltung auf Deutsch)

17:30 Uhr, Steffi Weismann: Downtime – Performance für Stimmen, Objekte und bewegten Klang

Das neue Solo „Downtime – Performance für Stimmen, Objekte und bewegten Klang“ der Performance- und Klangkünstlerin Steffi Weismann behandelt die Abwesenheit von Resonanzerfahrungen, welche der Jenaer Soziologe Hartmut Rosa in seinem Buch „Resonanz. Soziologie der Weltbeziehung“ als Antwort auf die immer größer werdende Beschleunigung des Alltags beschreibt. Weismann begibt sich in einen Prozess der Reaktivierung von körperlicher Bewegung und Interaktion im realen Raum. Die Handlungen folgen einer klanglich-musikalischen und gleichzeitig performativen Logik: Die Performance beginnt im Lockdown und schraubt sich allmählich hoch – von der minimalen Geste bis zur maximalen Verausgabung.

„Downtime“ (engl.: Stillstandszeit, Ausfallzeit) schaut auf alltägliche Routinen, die sich in den eigenen vier Wänden abspielen. Aus dem Stillstand sollte ein Neubeginn werden. Im Rückblick wirkt die Atempause wie ein surrealer Moment – und scheitert. Im Drehen um sich selbst liegt Sinnverlust und das gewohnte Hamsterrad nimmt wieder Fahrt auf. Die Performerin versucht diese Tendenz in der Steigerung zu durchbrechen und nutzt dafür ein physikalisches Mittel: Zur Freisetzung von Energie lässt sie Zentrifugalkräfte wirken. Mit einem Live-Mix von Elif Gülin Soguksu.

18:30 Uhr, Planningtorock: Gay Dreams Do Come True, Konzert

Ein Großteil der Aufnahmen für Planningtorocks neue EP „Gay Dreams Do Come True“ entstand in der Zurückgezogenheit der estnischen Insel Hiiumaa, wo Jam kurzerhand ein provisorisches Studio in einem hölzernen Dachgeschoss über einer Sauna einrichtete, als das Land in den Lockdown ging. „Es war knallromantisch“, erklärte Rostron in einem Interview, „Riinu [their Partner:in] kam jeden Morgen und zündete ein Feuer auf dem kleinen Ofen an.“ Das zufällige Paradies, auf das sie in den abgelegenen Wäldern stießen, floss in their Kompositionen ein: „Es ist der absolute Gay Dream - wir in unseren Holzfällerhemden mit einem Hund und sechs Katzen auf einer Insel“. Rostron fügt hinzu: „ein queeres Utopia.“

„Gay Dreams Do Come True“ ist eine laute, stolze und hemmungslose Feier und steht im Gegensatz zu den tragischen Queer-Narrativen, die mitunter den Mainstream dominieren. Jam hat sich vorgenommen, eine Platte zu machen, die sich stattdessen in der alles verzehrenden Freude an queerer Liebe sonnt und dem Gefühl der Zugehörigkeit und Sicherheit, das mit ihr einhergeht. „Ich habe das Gefühl, dass es etwas sehr Politisches hat, queeres Glück zu spüren“, sagt Rostron. They möchte, dass damit Schluss ist: „Wir haben ein Recht darauf, glücklich zu sein. Ich möchte unverhohlene gay music schaffen, die sich ihren Raum nimmt.“

20:00 Uhr, Olaf Nicolai & Public Possession: Zabriskie Point / A New Soundtrack, DJ-Set und Screening

Die 80-teilige Fotoarbeit „Zabriskie Point“ (2010) entstand nachts an dem aus dem gleichnamigen Film von Michelangelo Antonioni bekannten Aussichtspunkt im kalifornischen Death Valley Nationalpark. Um sich in kompletter Dunkelheit zu orientieren, nutzte Nicolai das Kamerablitzlicht seines Mobiltelefons, so dass die entstandenen Fotografien sowohl seinen Gang durch die Nacht dokumentieren als auch die Momente markieren, in denen ein kleiner Teil der Umgebung für ihn selbst sichtbar wurde. Während die monumentale Landschaft im Dunkeln bleibt, deuten diese Bilder auf die Vermitteltheit der Realität hin, die wir uns stets – hier sinnbildlich Schritt für Schritt – in einer Reihe von Konstruktionen medialer und reflexiver Art erschließen.

Anlässlich der Ausstellung „all the lonely people“ präsentiert VATMH einen Teil dieser Serie. Ab 20 Uhr unterlegen Olaf Nicolai und Public Possession Antonionis „Zabriskie Point“ (1970), der seinerzeit einen Score von Pink Floyd erhielt, mit einem neuen Soundtrack.

Samstag, 02. Oktober
Kuppelhalle
Beginn: 15 Uhr
Tickets (Tickets zu dieser Veranstaltung berechtigen zum Besuch der Ausstellung „all the lonely people“)

Einige Hinweise zur Veranstaltung

  • Wir empfehlen, Tickets im Vorverkauf zu erwerben. Sämtliche online oder vor Ort registrierte Daten werden zur Kontaktnachverfolgung für vier Wochen gespeichert und anschließend vernichtet.
  • Für den Besuch der Veranstaltung gilt die 3G-Regelung: Es ist ein Nachweis eines tagesaktuellen Negativtests, einen vollständigen Impfschutz (die letzte Impfung  muss 14 Tage zurück liegen) oder eure Genesung (innerhalb der letzten 6 Monate) notwendig.
  • Es gilt in allen Bereichen einen Mund-Nasen-Schutz in Form einer medizinischen oder FFP2-Maske zu tragen (am Sitzplatz während der Veranstaltung kann dieser abgenommen werden), zu jeder Zeit Abstand zu anderen Menschen einzuhalten, euch regelmäßig ausgiebig die Hände zu waschen oder zu desinfizieren und ausschließlich in die Armbeuge zu niesen oder husten.
  • Bitte achtet auf Beschilderung, Hinweise und Wegführung.
  • Es werden feste Sitzplätze vergeben.
  • Besucher*innen mit Erkältungssymptomen und diejenigen, die in den letzten 14 Tagen Kontakt zu einer an COVID-19 erkrankten Person hatten, bitten wir zu ihrem eigenen Schutz und dem der anderen, Zuhause zu bleiben. Gäste mit erkennbaren Symptomen einer Atemwegsinfektion und diejenigen, die nicht bereit sind, sich auf unsere Vorkehrungen einzulassen, müssen wir leider bitten, wieder zu gehen.
  • Wir empfehlen, die Corona-Warn-App der Bundesregierung zu verwenden.
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