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ALFILM 2022: Podiumsdiskussionen

Gespräche

Fr, 22.04.2022 - Sa, 23.04.2022
Kuppelhalle

Das ALFILM Spotlight widmet sich unter der Schirmherrschaft von Volker Schlöndorff, gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und mit Unterstützung des Leibniz-Zentrum Moderner Orient, dem Libanon mit dem Titel From Civil War to Chaos: A Tribute to Filmic Resistance, um auf die Missstände und Krise im Libanon aufmerksam zu machen und die Filmschaffenden zu würdigen, die ihr Schicksal kreativ in die Hand nehmen, Trauma und Erfahrungen filmisch umsetzen und so Widerstand aktiv gestalten.

Zwei Podiumsdiskussion mit Filmemacher:innen aus dem Libanon und Vertreter:innen von ALFILMS Kooperationspartnern Beirut DC und die Cinematheque Beirut werden das Spotlight begleiten. Das Thema Die vielfältigen Rollen von Archiven sowie die Frage: Wie können Filme in Krisenzeiten realisiert werden? werden analysiert und diskutiert und in einen gesellschaftspolitischen Kontext gebracht.

Programm:

Freitag, 22.04.2022, 17:00 Uhr

Thema: Die vielfältigen Rollen von Archiven beim Erarbeiten von Gegenerzählungen: vom Persönlichen zum Kollektiven
Auf dem Podium: Joana Hadjithomas (Regisseurin Memory Box), Mathilde Rouxel (Generaldeligierte der JOCELYNE SAAB'S FRIENDS ASSOCIATION und Projektleiterin für Restaurierungen).
Moderation: Nour Ouayda (Projektleiterin der CINEMATHEQUE BEIRUT)

Ohne jeglichen Zugang zu offiziellen Dokumenten, die die kollektive Geschichte des Libanons erzählen könnten, ist die (Wieder-)Verwendung von Archiven im Kino eine Möglichkeit, um das archivierte Objekt zu aktivieren und die verborgenen und geheimen Geschichten, die es enthält, zu enthüllen. Die Bilder, Töne und Texte, ob privat oder öffentlich, erscheinen in einem neuen Kontext, begegnen einer neuen Zeitlichkeit und werden so zu wertvollen Versatzstücken einer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Im Anschluss stellt Nour Ouayda die Arbeit von der CINEMATHEQUE BEIRUT vor und danach wird der Kurzfilm Topology of an Absence von Rami el Sabbagh und Sharif Sehnaoui gezeigt.

Topology of an Absence
Dokumentarfilm, Regisseure: Rami el Sabbagh und Sharif Sehnaoui, Libanon, 2021, 30 Min., ohne gesprochenen Dialog

Dieses Werk, das Musik und Film kombiniert, basiert auf Archivmaterial aus den 1920er Jahren, das von Pathé und Gaumont im Libanon aufgenommen wurde. Topology of an Absence schlägt hundert Jahre später eine neue Sichtweise auf dieses Archiv vor, nachdem namenlose Kameraleute die Stadt Beirut gefilmt und Körper, Gesichter und Augen eingefangen haben.


Samstag, 23.04.2022, 17:00 Uhr

Thema: Filmemachen in Krisenzeiten
Auf dem Podium:  Myriam Sassine (Produzentin Costa Brava, Lebanon), Ely Dagher (Regisseur The Sea Ahead) and Simon El Habre (Regisseur Re-Destruction)
Moderation: Rabih El-Khoury (ALFILM-Programmkurator)

Eine Revolution, eine Finanzkrise, die Abwertung der Landeswährung, die Abwanderung der Jugend, politische Instabilität, zunehmende Korruption, eine gewaltige Explosion, die das Gesicht Beiruts für immer verändert hat, und eine weltweite Pandemie. Seit 2019 stürzt ein unvorstellbarer Berg an Rückschlägen den Libanon in eine noch nie dagewesene Krise. Die meisten Unternehmen des Landes sind angeschlagen, auch der Kunst- und Kultursektor. Wie ist die Filmgemeinschaft von diesen Turbulenzen betroffen? Wie geht sie damit um? Und wie wirkt sich eine solch unendliche Unsicherheit auf ihren kreativen Beitrag aus? Vor dieser Podiumsdiskussion werden die Kurzfilme Struck von Sarah Kaskas, Recovery von Jean-Claude Boulos und A Declaration of War von Ely Dagher im Rahmen des Programms Beirut, One Year Later mit Unterstützung des libanesischen Kulturvereins Beirut DC gezeigt.

Spotlight Shorts: Beirut, One Year Later
Ein Jahr nach der Explosion in Beirut am 4. August 2020 reflektieren vier Filmemacher:innen aus Beirut über ihre Erfahrungen während und nach der Tragödie und untersuchen, wie die Explosion ihr Leben und ihre Stadt beeinflusst hat.

Struck
Dokumentarfilm, Regie: Sarah Kaskas, Libanon, 2021, 6 Min., Arab. mit en. UT

Nach dem ursprünglichen Trauma kehren die Wunden zurück, wieder und wieder, Tag für Tag. Zerrüttete Bilder aus einer zerrütteten Erinnerung. Gibt es eine Möglichkeit zu vergessen, und sollten wir überhaupt vergessen? Die Wunden können uns helfen, zu überleben, uns zu erinnern und andere Enden zu vermeiden, denn an diesem Ort sind sie nie endgültig. Das ist der kollektive Zustand: Die Dunkelheit der Vergangenheit ist die Gegenwart und die Zukunft.

Recovery
Dokumentarfilm, Regie: jean-Claude Boulos, Libanon, 2021, 6 Min., Arab. mit en. UT

Im Augenblick der Explosion, dem Ende der Welt, können Körper, Gebäude, Straßen und Städte zerbrechen. Vielleicht bricht das Universum selbst auseinander. Aber die stärkste Zersplitterung bleibt die der Erinnerung. Ein Bild hier und ein Ton dort werden vage rekonstruiert. Kann man aus einer solchen Erinnerung eine Zukunft aufbauen? Kann sie wiederherstellen, was verloren gegangen ist? Ist es an der Zeit zu gehen?

A Declaration of War
Dokumentarfilm, Regie: Ely Dagher, Libanon, 2021, 6 Min., Arab. mit en. UT

Die Explosion erfolgte in Sekundenschnelle, aber ihre verheerende Energie ist nicht einfach verschwunden. Energie verschwindet nicht, sie wandert von einer Sache zur anderen. Sie entlädt sich in uns: Wut, Schmerz, Hoffnung, Verzweiflung. Aber jeden Morgen drängt uns das Licht, wieder aufzustehen, während die Tage vergehen. Die Explosion hat eine offene Wunde hinterlassen... wohin wird die ganze Energie gehen?

Freitag, 22. / Samstag, 23. April
Kuppelhalle
Beginn: jeweils 17 Uhr
Eintritt frei
 

Hinweis zum Besuch der Veranstaltung

Seit dem 1. April 2022 entfallen in Berlin jegliche Corona-Beschränkungen für den Besuch von Veranstaltungen. Wir empfehlen weiterhin das Tragen einer Maske bis zum Sitzplatz.

 

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