Jeanne Dielman, 23, quai du commerce, 1080 Bruxelles

Anlässlich des Internationalen Frauentags zeigen wir das feministische Meisterwerk von Chantal Akerman über den eintönigen Alltag einer verwitweten Frau in Brüssel, der eines Tages eine dramatische Wendung nimmt.

Eine Frau – Jeanne Dielman (Delphine Seyrig), eine Wohnung, drei Tage. Hartnäckig beobachtet die Kamera in langen starren Einstellungen ihre alltäglichen Routinen in einer abgeschlossen scheinenden Welt: aufräumen, Betten machen, Staub wischen, abwaschen, Essen kochen. Am Nachmittag empfängt sie ältere Herren; auch ihre Gelegenheitsprostitution hat einen genauen Platz im präzisen Ablauf des Tages. Zunächst kaum merkbar werden die zeitlich und räumlich rigiden Strukturen am zweiten Tag erschüttert, am dritten Tag kommt es zur unausweichlichen Eskalation. Ein schweigsames, einsames Kammerspiel, dessen Choreografie der Gesten, Bewegungen und Rituale radikal Zeugnis einer emotionalen Erstarrung ablegen.

Ein Film von Chantal Akerman, BE, 1975, 202’
OmU (Französisch mit deutschen Untertiteln)
Mit einer Einführung von Nathalie David


Die britische Filmzeitschrift Sight & Sound wählte Jeanne Dielman im Dezember 2022 zum besten Film aller Zeiten. Alle zehn Jahre befragt die Filmzeitschrift Filmkritiker*innen aus aller Welt, welches Werk sie für den besten Film aller Zeiten halten. Für das kommende Jahrzehnt haben mehr als 16.000 Kritiker*innen das Meisterwerk der 2015 verstorbenen Chantal Akerman auf den vordersten Platz gewählt. Damit trägt zum ersten Mal der Film einer Frau diesen Titel.

Chantal Akerman (*1950 in Brüssel, † 2015 in Paris) drehte mit 17 Jahren ihren ersten Kurzfilm Saute ma ville (1968). Im gleichen Jahr brach sie ihr Studium an der Brüsseler Filmhochschule INSAS ebenso wie ein Jahr später ein Theaterwissenschaftsstudium an der Université Internationale du Théâtre in Paris ab. Sie hat zahlreiche Spiel- und Dokumentarfilme sowie eine Reihe von Installationen realisiert und Bücher geschrieben. Ihre Filminstallation From the Other Side wurde 2002 auf der documenta 11 präsentiert. Für ihre Arbeiten wurden sie u.a. mit folgenden Preisen ausgezeichnet: 1976 Bester Film (Bronze Hugo) für Les rendez-vous d’Anna, Chicago International Film Festival; 2005 Prix Lumières: Bester französischsprachiger Film für Demain on déménage; 2014 Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Preis.

Nathalie David ist Filmerin, Zeichnerin und Photographin. Sie sieht den dokumentarischen Blick als Genre und als spezifischen Kunstprozess. 2009 gründete sie PITCHOUNPRODUCTION und schuf seitdem unter diesem Label zahlreiche Filme. Im Auftrag von Museen realisiert sie seit 2003 eher künstlerische als dokumentarische Filme über KünstlerInnen oder SammlerInnen. Seit 2011 macht sie Führungen auf Deutsch und Französisch in der Hamburger Kunsthalle. Nathalie David ist in Frankreich geboren. Sie lebt in Hamburg und in Berlin.

Mittwoch, 8. März
Kuppelhalle
Beginn: 19 Uhr
Eintritt frei

Hinweis zum Besuch der Veranstaltung

Wir empfehlen euch zu eurem und unserem Schutz auch weiterhin, eine Maske während eures Veranstaltungsbesuchs zu tragen und euch vorab zu testen. Solltet ihr euch krank fühlen, bitten wir euch, Zuhause zu bleiben.